Kirchberg in Siebenbürgen
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Siebenbürger Erzählungen

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                   Erzählungen 


Der schwere Wagen

Vor ungefähr dreißig Jahren schnitt eine Bäurin aus Malmkrog das Korn ihres auf hohem Berge gelegenen Ackers. Im Schatten dreier Garben langweilte sich ihr vier- oder fünfjähriger Knabe. Die ziemlich steil abfallende Seite des Berges deckte ein alter stellenweise gelichteter Wald. Es war um die vierte Nachmittagsstunde; im Dorfe läuteten die Glocken zur Vesper. Glauben und Sitte geboten nunmehr die Heimkehr; aber die Bäurin blieb bei der Arbeit. Da erhebt sich im nahen Walde lautes Getöse. Mit weithin schallendem Peitschenknallen, mit Rufen und Schreien, mit "Hi" und "Ho" wollen nirgends sichtbare Leute — so erzählte der Knabe — einen schwer beladenen Wagen den bewaldeten weglosen Berg hinantreiben. Wie verstört läuft die Mutter zum Jungen, rafft eilig zusammen, was sie von Hause mitgebracht; — drüben treibt und tost es fort, kracht, knallt und lärmt es immer ärger. Den Knaben an der Hand flüchtet das Weib aus der Nähe des Waldes den Berg hinab dem Dorfe zu. Den vom Felde schon früher heimgekehrten Mannsleuten erzählt sie am Abend: „Als man in die Vesper läutete, kamen die mit dem 'schweren Wagen'. Ich will mein Lebtag nicht mehr auf dem Hattert bleiben, wenn man in die Kirche läutet."

Quelle: Siebenbürgische Sagen, Herausgegeben von Friedrich Müller 1857, 1885;
Neue erweiterte Ausgabe von Misch Orend, Göttingen, 1972, Nr. 84, S. 87



 

Wie eine Schaaserin einen Türken überlistet

Zu jener Zeit, als noch die Türken Siebenbürgen beherrschten und                            verwüsteten, kam einmal ein Trupp berittener Türken nach
                          Schaas, um zu plündern. Die Bewohner flüchteten in die 
                          Kirchenburg und schlossen hinter sich das Tor. Nachdem die 
                         Türken geplündert hatten, ritten sie in den Radwiggrund,
                         stiegen da von ihren Pferden, um sie weiden zu lassen. Eine
                        Schaaserin wagte es, aus der Kirchenburg in ihren Weingarten
                       am Romrich zu gehen. Als sie nun ein Türke bemerkte,      
                      bestieg er sein Pferd und ritt eiligst heran, band sein Pferd unten an den Zaun und eilte in den Weingarten, um sich die Frau als erwünschte Beute zu erhaschen. Allein diese hatte den
Türken ebenfalls heranreiten und sein Pferd anbinden gesehen.
Da nahm sie schnell ihren Strohhut vom Kopf, setzte ihn
auf den neben ihr stehenden Weinstock, hing ihre weiße
Joppe darunter. Während nun der Türke auf diesen Weinstock
zueilte, rannte sie im Weingarten des dritten Nachbars hinunter, setzte sich auf des Türken Pferd und ritt darauf ins Dorf in die Kirchenburg; die weidenden Pferde aber liefen auf das Gewieher jenes Pferdes ebenfalls nach, und so rettete sie nicht nur sich, sondern führte auch als Beute den ihrigen mehrere Pferde zu; die Türken aber, die nicht länger verweilen durften, um von ihrem Heere nicht zurückzubleiben, mussten zu Fuß mit langer Nase abziehen.



 
Ein kluger Zeidner

Als Fürst Gabriel Báthory einst Kronstadt vernichten wollte, kam er über Fogarasch durch den Geister Wald zuerst nach Zeiden. Die Zeidner hatten sich jedoch in ihre Kirchenburg zurückgezogen und dachten nicht daran, sich zu ergeben.
Zwei Tage lang beschoss Báthory die Kirchenburg ; dabei zerstörte er die große Glocke auf dem Burgturm. Am dritten Tag bot er den Zeidnern Frieden an und ließ ihnen sagen: Wenn sie ihm die Burg freiwillig übergeben wollten, werde er Leben und Eigentum der Bewohner, sowie der Kronstädter Krieger, die sich in der Burg befanden, schonen. Obwohl die Kronstädter ihnen von dieser Abmachung abrieten (Báthory hatte sein Wort schon oft gebrochen), gingen die Zeidner darauf ein. Die Kronstädter verließen nun die Burg, ritten davon, wurden jedoch beim Weidenbach von Báthorys Soldaten gefangen genommen und bald nachher auf dem Weg nach Rosenau auf grausame Weise getötet. Die Besatzung der Burg aber trieb es nun arg, nichts war vor ihren bösen Spaßen sicher.
Da dachte sich ein kluger Zeidner — namens Göbbel — eine List aus. Er ging
                         mit zwei großen, vollen Weinkannem am Burgtor vorbei. Die
                         Wächter hielten ihn an und nahmen ihm den Wein weg.
                         Wütend ging Göbbel davon und kam nach einiger Zeit wieder
                         mit zwei Kannen — diesmal stellte er sich so, als wolle er
                        unbemerkt vorbeischleichen. Natürlich sahen ihn die Wächter,
                         und lachend nahmen sie ihm wieder den Wein ab. Göbbel
                         hatte jedoch diesmal in den Wein ein Schlafpulver getan,
                        und kaum hatten die Wächter davon getrunken,
begannen sie auch schon zu schnarchen. Nun drangen die
Zeidner unbemerkt in die Burg ein — die fremden
Soldaten aber, die sich wehrten, wurden niedergeschlagen.
Bald waren sie wieder Herr der Lage. Göbbel aber wurde
zur Belohnung für seine Tag für immer von den Steuern befreit.


 

Die drei schweigsamen Spinnerinnen

Eine Frau hatte drei Töchter, die waren sehr plauderhaft, und über dem vielen Reden blieb ihr Rocken immer voll. Da ward die Frau zornig und sprach: "Hier gebe ich einer jeden von euch einen Bund Hanf, den sollt ihr abspinnen, ohne auch nur ein einziges Wort zu sprechen; die dagegen handelt, kriegt keinen Mann, das sage ich euch!" Nun saßen die drei Töchter und spannen und spannen und wagten kaum zu atmen. Nur einmal riß der einen der Faden, und sie rief, ohne daß sie wollte, sogleich: "Fäden nätsch!" (nätsch - kindisch gesprochen: knätsch== zerrissen.) Die zweite vergaß sich auch und setzte dazu:
"Näpp e Nitschen drun!" (kindisch gesprochen statt: Knäpp e Knitchen drun = Knüpfe einen Knoten dran), und die dritte lachte und rief unwillkürlich: "Ei wol geat, dät ich näst deried hun !" So hatten denn alle drei gesprochen:

"Fäden nätsch,
Näpp e Nitschen drun,
Ei wol geat, dät ich näst deried hun!"

Ob aber die Mutter ihr Wort gehalten, weiß ich nicht; wer's glaubt, zahlt einen Groschen.  

Die beiden Prahler und der Bescheidene

                           Drei Studenten, die aus einem Dorfe waren, kamen nach 
                           Hause und hielten bei dem Pfarrer um die erledigte
                           Lehrerstelle an. Der Pfarrer aber sagte: Er müsse erst
                           wissen, was jeder von ihnen gelernt hätte, um die Stelle
                          dann dem Würdigsten zu verleihen. Da sprach der erste
                          ganz stolz: "Herr Pfarrer! Ich habe so viel gelernt, daß ich in
                          zehn Jahren das nicht erzählen könnte, was ich weiß!" Der  
                         zweite sprach noch hochmütiger: "Das ist alles blutwenig; ich aber habe so viel gelernt, daß man's nicht niederschreiben
könnte, wenn das Meer lauter Tinte und der ganze Himmel
Papier wäre."
Der dritte sagte ganz bescheiden: "Herr Pfarrer! Ich habe
zwar immer gelernt, aber das, was ich weiß, ist so wenig
gegen das, was man wissen kann, daß es fast nichts ist!"
Da antwortete der Pfarrer: "Ihr, die ihr alles gelernt habt, könnt überall in der Welt euer Fortkommen finden; es ist aber nur recht und billig, daß wir für den sorgen, der das nicht kann!"
So wurde der Bescheidene Schulmeister; die Prahler aber zogen mit Schande ab und halten noch immer in der Welt ihre Gelehrsamkeit feil.



Die Magd auf dem Friedhof

Die Mägde hatten in Urwegen einst gewettet, wer den meisten Mut habe, um Mitternacht auf den Friedhof zu gehen und eine Gabel auf ein Grab zu stecken. Es fand sich eine furchtlose Magd, die gehen wollte. Sie nahm sich die Gabel und ging auf den Friedhof. Beim ersten Grab blieb sie stehen und stach die Gabel mit aller Kraft in die Erde. Als sie sich aber zum Gehen wenden wollte, konnte sie nicht. Es hielt sie etwas an der Schürze (fest. Sie hatte mit der Gabel ihre Schürze auf dem Grab festgesteckt. Als man am Morgen nach ihr sah, war sie tot, so sehr hatte sie sich erschreckt.



„Mer schliefen"

Ein Zeidner wollte eines Abends von seinem Nachbarn etwas Geld leihen. Er klopfte ans Fenster und fragte:'
„Schlieft Er, Herr Nieber ?"
„Mer schliefen netch."
..Barch mer en Gulden."
„Mer schliefen, mer schliefen",
                 rief nun der Nachbar und löschte rasch das Licht aus.



  




    Vorsicht und Gastfreundschaft          
Als sich die Sachsen und die Tschangos im Burzenland
niederließen und die Hattertgrenzen ihrer Dörfer abstecken
sollten, faßten sie folgenden Beschluß: Um den Boden
gerecht aufzuteilen, sollte man sich an einem bestimmten Tag, in der Morgendämmerung, mit selbstgekochter Speise auf den Weg machen; dort wo man einander begegnen werde, dort solle dann die Hattertgrenze sein.

Die Sachsen machten sich mit rasch aufgekochtem Hirsebrei und die Tschangos mit gebratenen und langwierig zubereiteten Gänsen auf den Weg. So kam es, daß sie einander kurz vor den Siebendörfern — zwischen Batschendorf und Langendorf — begegneten. Sie stellten die Grenzzeichen auf und begannen zu schmausen. Da erhob sich der Anführer der Sachsen und sprach: „Ihr Tschangos seid gute Menschen, wir haben euch gern, und darum haben wir Hirse gekocht, damit wir rascher aufbrechen können und ihr nicht so weit gehen müßt."
Darauf antwortete der Anführer der Tschangos: „Wir aber haben darum Gänse gebraten, damit wir euch, ihr lieben Sachsen, auf ungarische Art bestens bewirten können."
Da erhoben die Sachsen ihre Gläser und riefen: „Es lebe die Vorsicht !" Und die Tschangos erwiderten: „Es lebe die Gastfreundschaft !''


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